Meine 5 Tage Urlaub nutzte ich zu einem Kurztrip nach Sharm El Sheikh. Mit auf diesen Trip begleitete mich meine Schwester. An einem Mittwochmorgen ging unser Egyptair-Flug (44€ pro Strecke) eine Stunde verspätet von Hurghada nach Sharm el Sheikh auf der Sinai-Halbinsel, welche ja bereits auf dem asiatischen Kontinent liegt.

Egyptair ist übrigens, was die Sicherheit angeht, an allerletzter Stelle aller Fluggesellschaften, welche in der EU landen dürfen und auch bei Unfällen und Abstürzen mit tödlichem Ausgang führend. Die 20 Minuten Flug überstanden wir jedoch ohne Probleme. Vom Flugzeug aus konnte man die wunderbaren Riffe im Roten Meer besonders gut sehen.



Am Airport nahmen wir uns an der Hauptstraße einen Minibus für 2,5 Pfund pro Person zur Naama Bay. Das ganze wäre per Taxi zwanzig Mal teurer gewesen. Naama Bay ist das touristische Zentrum von Sharm el Sheikh. Der Name des Ortes bedeutet übrigens “Bucht des weisen alten Mannes”. Die weiteren Stadtteile sind die Sharks Bay in der Nähe des Flughafens, die Nabq Bay ganz im Osten und Hadaba (Ras um Sid) die Altstadt ganz im Westen an die Naama Bay angrenzend.



In Naama Bay hatten wir ein vergünstigtes 4 Sterne Hotel über einen Freund gebucht. Das Sharm Cliff Resort. Von diesem hatte man einen herrlichen Blick über die Naama Bay. Es verfügte über keinen direkten Zugang zum Strand, hatte jedoch einen Shuttle-Bus zu zwei sehr schönen Privatstränden.


Den ersten, welcher zur Pacha-Disco gehörte und wohl der exklusivste an der Naama Bay war, hatte den Namen Wind Beach und an diesem verbrachten wir den ganzen Tag. Der Strand von Sharm el Sheikh wurde vor kurzem zu den 20 schönsten Stränden der Welt gewählt. Mit Platz 16 wurde er zum Beispiel von Traumstränden wie dem White Beach (Platz 6) auf Boracay, an dem ich im Jahr davor lag, geschlagen.

Vor dieser Reise nach Sharm el Sheikh und auch vor meinem Ausflug nach Israel und Palästina hatten mich viele meiner Freunde und Verwandte gewarnt und sich Sorgen gemacht. Auch das deutsche Auswärtige Amt warnt derzeit für die komplette Sinai-Region. Sogar meine Arbeitskollegin, die zuvor 2 Jahre in Sharm el Sheikh gelebt hatte, sagte kurz vor meiner Reise ihren Urlaub hier aus Bedenken ab. Wenige Wochen zuvor kamen bei einem Anschlag in Sharm el Sheikh Touristen zu Schaden. Auf dem Old Market im Stadtteil Hadaba schoss ein Attentäter um sich und tötete einen französischen Tourist und verletzte einen Deutschen und zwei Ägypter schwer.

Wenige Tage später wurde eine Touristengruppe in der Nähe von Sharm el Sheikh auf dem Weg zum St. Katharinen Kloster überfallen und zwei amerikanische Touristinnen wurden dabei entführt. Kurz darauf wurden drei Koreaner entführt und in den letzten Tagen 2 Brasilianer. Die Entführungen gehen alle auf das Konto der Beduinen, die auch immer wieder Menschen überfallen und seit Monaten für Unruhe im Sinai sorgen. Sie bekamen zu Mubaraks Zeiten Schutzgeld von der Regierung bezahlt. Nach dem Sturz Mubaraks blieb das Geld aus. Da die Beduinen den Sinai als ihr Land ansehen, versuchen sie mit solchen Entführungen die Hotelbetriebe zu erpressen und dem Tourismus zu schaden. Da auch das Auswärtige Amt vor dem Ausflug zum St. Katharinen Kloster warnt, verzichtete ich auf diesen. Außerdem hatte ich aufgrund meines Israel-Ausfluges sowieso nur wenig Zeit im wunderschönen Sharm el Sheikh.

Meine Schwester wollte auch zuerst mit nach Israel, verzichtete dann aber doch aufgrund der derzeit sehr kritischen politischen Situation vor Ort. Für mich war Israel ein langersehnter Trip. Es ist zwar ein Krisengebiet, aber für mich war das Risiko einer Fahrt dorthin kalkulierbar, schließlich besuchen täglich tausende Touristen Jerusalem und Israel. Am Abend wurde ich dann von der Reisegesellschaft Sharm-Reisen zu meinem Ausflug nach Israel & Palästina abgeholt. Zuerst wurden weitere Gäste eingesammelt und gleich kurz nach Sharm el Sheikh gingen die Probleme los. Ich erfuhr, dass am Morgen Beduinen in ganz Sharm el Sheikh die Straßen verbarrikadierten und für Unruhe sorgten. Gleich am ersten Militär-Checkpoint hinter Sharm el Sheikh hielt uns das Militär eineinhalb Stunden fest. Als sich genug Reisebusse hinter uns gesammelt hatten, fuhren wir im Konvoi los, beschützt von einem Polizeifahrzeug. Dieses legte ein solches Tempo vor, dass jetzt ein Wettrennen zwischen den Bussen begann, da jeder an dem Begleitfahrzeug dranbleiben wollte. Die kurvige Straße führte durchs dunkle Sinai-Gebirge vorbei an den gefürchteten Beduinen-Dörfern, welche lautstark von der Polizei aufgeschreckt wurden. Die ersten Beduinen sahen wir an einer Tankstelle bei Dahab. Sie fuhren alle teure Autos und sahen aus wie die Scheichs in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Bei Dahab ging das ganze Militär-Checkpoint-Theater wieder von vorne los. Und wieder ging es im Konvoi bis nach Nuweiba. In Nuweiba wieder ein Militärcheckpoint und von hier aus konnte man bereits die ersten Blicke nach Saudi Arabien hinüberwerfen. Die ersten Deutschen um mich herum bereuten es bereits, dass sie ihr sicheres 5-Sterne Hotel verlassen hatten und wären am liebsten umgedreht. Nach über 5 Stunden erreichten wir die nur 230 Kilometer von Sharm el Sheikh entfernte Grenzstadt Taba.

Hier mussten wir uns von unserem kleinen Bus und unserem Reiseleiter verabschieden und hatten nun 2 Kilometer Grenze zu Fuß zu durchlaufen. An der ägyptischen Grenze ging alles noch recht zügig. Dafür dauerte es an der israelischen umso länger. Die Grenzbeamten in Israel waren allesamt in meinem Alter und alle sehr gut ausgestattet mit der neuesten Technik. Man musste sich durchsuchen lassen und bekam an verschiedenen Stellen Fragen gestellt. Und dann haute ein Beamter den israelischen Stempel in meinen deutschen Reisepass. Der deutsche Reisepass öffnet dir fast alle Türen auf dieser Welt, der israelische Stempel im Pass schließt dir wieder alle Türen zur Arabischen Welt. Ausnahmen sind Ägypten und Jordanien. Nächsten November bei meinem Weltreisestart in Qatar werde ich damit wohl Probleme haben. Ein Visum benötigt man für Israel nur, wenn man vor dem 01.01.1928 geboren wurde. Damit will man ausschließen, dass Deutsche, die etwas mit der Judenverbrennung im 2. Weltkrieg zu tun hatten, nach Israel einreisen. Um kurz nach 2 Uhr nachts stand ich dann endlich auf israelischem Boden.

Insgesamt war die Einreise komplizierter als etwa in die USA. Auf der anderen Seite der Grenze wartete ein neuer Reiseleiter auf uns und ein noch größerer Bus. Mit diesem fuhren wir zuerst durch die israelische Grenzstadt Eilat. Diese faszinierte mich sofort. Eilat hat gut 50.000 Einwohner und 13.000 Hotelbetten. Die ganze Stadt sah aus wie Klein-Las-Vegas, überall Hotels, Leuchtreklamen, Casinos und Shoppingcenter. Die Straßen waren voll mit Partygängern, schließlich war am heutigen Tage der jüdische Feiertag Purin. Von hieraus sah man auch auf die jordanische Stadt Aqaba, nach der das Rote Meer hier in diesem Vier-Länder-Eck benannt ist (Golf von Aqaba).

Nachdem wir Eilat verlassen hatten, waren wir somit durch alle Städte gefahren, in denen es in den letzten Jahren schwere Terroranschläge gab. Hier eine kleine Chronik der Straße des Terrors:
Sharm el Sheikh am 23. Juli 2005: Bei einer Anschlagsserie auf Hotels und einen belebten Basar im ägyptischen Ferienort Sharm el Sheikh werden mindestens 83 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt.
Dahab am 24. April 2006: Bei drei Explosionen im ägyptischen Badeort Dahab werden mindestens 24 Menschen getötet, darunter ein Kind aus Deutschland. Es gibt mehr als 60 Verletzte.
Nuweiba & Taba am 07. Oktober 2004: Bei Anschlägen auf das »Taba Hilton«-Hotel an der israelisch-ägyptischen Grenze sowie zwei Touristencamps bei Nuweiba werden 34 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt. Die Opfer sind zumeist Israelis.
Eilat am 18. August 2011: Bei koordinierten Anschlägen auf Busse und Pkws nahe der israelischen Grenzstadt Eilat werden 8 Menschen getötet und über 30 verletzt.
Die Attentäter kamen bei allen Anschlägen zum größten Teil aus Ägypten selbst. Der bekannteste ägyptische Attentäter ist aber immer noch der Kopf der Attentate auf das World Trade Center in New York, Mohamed Atta. Auch ein beliebtes Anschlagsziel zwischen Israel und Ägypten ist die Erdgas-Pipeline im Sinai, die seit dem Sturz Mubaraks bereits zum 13. Mal Ziel eines Anschlages wurde. Eigentlich hatte ich geplant die ganze Nacht im Bus zu schlafen, aufgrund der Grenzformalitäten kam ich aber erst am frühen Morgen zu etwas Schlaf. Die Grenzen zu Ägypten und Jordanien sind übrigens die einzigen Grenzen über die man per Landweg nach Israel einreisen darf. Die Grenzen zu Syrien und dem Libanon sind dauerhaft geschlossen. Als ich nach gut 3 Stunden Schlaf wieder zu mir kam, hatten wir bereits das Arava-Tal bzw. Jordanien-Tal durchquert und es war schon hell.

Es empfang uns ein wunderschönes Wetter, wobei es Tage zuvor das erste Mal seit 4 Jahren wieder geschneit hatte. Es war so heftig, dass in Jerusalem der Busverkehr zusammenbrach und Schulen geschlossen werden mussten. Die Klagemauer war von Schnee bedeckt. Aus dem Bus hatte ich einen wunderschönen Blick auf das Tote Meer, das israelische Gebirge und die Berge Jordaniens auf der anderen Seite des Toten Meeres. Laut eines israelischen Gesetzes darf übrigens nur der Stein dieses Gebirges zum Hausbau verwendet werden, was auch erklärt, warum alle Häuser in Israel strahlend weiß sind. Nach dem Toten Meer war unser erster Stopp am Stadtrand von Jericho.


Allein der Name der Stadt machte mich gleich hellwach, schließlich kannte ich sie aus zahlreichen Erzählungen. Jericho gehört wie Ramallah zu den von Israel abgegebenen palästinensischen Autonomiegebieten. Sie ist außerdem auch offiziell die älteste Stadt der Welt. Das Selbe sagt man aber auch über Jerusalem. Beide Städte werden erstmals im 19. Jahrhundert vor Christus erwähnt. Wir befanden uns also bereits im Westjordanland oder genauer gesagt im nicht überall anerkannten Land Palästina. Einige wenige Länder wie zum Beispiel Chile in Südamerika erkennen Palästina an, Länder wie Deutschland und weitere Länder der EU jedoch nicht. Bei der Weiterfahrt in Richtung Jerusalem kamen wir an weiteren Straßenschildern wie Hebron und Ramallah vorbei. Auch diese hatte ich bereits des Öfteren in den Nachrichten gehört.

Ramallah ist sozusagen die Hauptstadt von Palästina. Zuerst führte unsere Reise aber weiter vorbei an zahlreichen Dörfern von Nomaden bis vor die Tore von Jerusalem.

Wir kamen an zahlreichen Siedlungen vorbei und auch die größte palästinensische Siedlung in Israel war bereits zu sehen. Auch die meterhohen, schwer bewachten Grenzmauern waren allgegenwärtig.


Danach verließen wir Palästina und fuhren über die Grenze ins Zentrum von Jerusalem. Jerusalem, das Zentrum des christlichen Glaubens, hat derzeit 730.000 Einwohner und ist die Hauptstadt Israels. Was für Moslems Mekka & Medina ist, ist für die Christen Jerusalem. Jedoch auch für zahlreiche andere Religionen ist die Stadt ein wichtiger geschichtsträchtiger Ort. Zuerst hatten wir einen Stopp in der Nähe des Ölberges, von welchem man einen großen Überblick über ganz Jerusalem hatte. Der Tempelberg und der Felsendom war bereits gut zusehen. Auch die Al-Aksa Moschee war zu sehen.



Auf dem Weg zum Tempelberg fuhren wir am jüdischen Friedhof auf dem Ölberg vorbei, auf welchem nur die Schwerreichen es sich leisten können hier begraben zu werden. Ganz in der Nähe liegt auch Oskar Schindler begraben, welcher im 2. Weltkrieg ja bekanntlich hunderte Juden vor dem sicheren Tode gerettet hatte.

Am Tempelberg liefen wir zuerst zur Klagemauer. Hier waren zahlreiche Soldaten der israelischen Armee zu sehen. In Israel liegt der Grundwehrdienst für Männer übrigens bei 3 Jahren und für Frauen bei 2 Jahren. Dabei sei noch zu erwähnen, dass Experten sagen, das Risiko eines Anschlages sei überall auf der Welt höher als in Jerusalem selbst, da die Stadt so gut überwacht wird. Es steht wirklich an jeder Ecke Wachpersonal und die Zahl der Überwachungskameras geht in die tausende.


An der Klagemauer war aufgrund des Feiertages sehr viel los und ich war überrascht, dass man als Tourist überall ganz nahe hindurfte. Selbst in die Katakomben neben der Klagemauer, wo die ganzen heiligen Bücher standen, war der öffentliche Einlass erlaubt. Hier konnte man überall die betenden Juden beobachten, welche auf mich allerdings sehr suspekt wirkten, da sich diese im Sekundentakt während des Gebetes vor der Klagemauer verneigten.



Aus einer heiligen Schriftrolle wurde zur Feier des Tages auch noch vorgelesen. Der Feiertag ist bei uns vergleichbar mit Fasching, überall liefen verkleidete Kinder herum.


Unser Reiseleiter, welcher ebenfalls Jude war und perfekt deutsch sprach, betete hier ebenfalls. Er hatte bereits ein sehr aufregendes Leben hinter sich. Er verlor seinen Vater und zahlreiche Verwandte beim Holocaust und kämpfte in drei verschiedenen Kriegen als Fallschirmspringer. Er hatte drei verschiedene Kinder von drei verschiedenen Frauen und eine davon gewann sogar für Israel den Grand Prix de Eurovision. In dieser Zeit war er 11 Jahre drogenabhängig und verbrachte davon 8 Jahre in deutschen und israelischen Knästen. Er war der geborene Reiseleiter mit seinen fast 67 Jahren und brachte einen Lacher nach dem anderen. Er bezeichnete sich selbst als zweitbester Reiseleiter Israels und kannte auf unserer gesamten Reise wirklich jeden Menschen und umarmte auch zahlreiche wie Brüder. Er führte uns sehr schnell zu allen wichtigen Punkten der Städte an allen Warteschlangen vorbei und hatte grenzenlos Informationen in seinem Repertoire. Er führt auch ganze Schulklassen durch das Gebirge oder organisiert Wüstenwanderungen durch die Sahara. Wirklich ein beeindruckender Mensch.

Die beeindruckende Altstadt von Jerusalem ist in 4 Zonen eingeteilt. Es gibt eine jüdische, ein christliche, eine moslemische und eine armenische Zone. Von der jüdischen Zone gingen wir durch einen Tunnel und durch einen Sicherheitscheck hinüber in die moslemische Zone. Plötzlich fühlt man sich in einer völlig anderen Welt. Überall waren wieder Frauen mit Kopftüchern und Araber, die an ihren Marktständen auf Kundschaft warteten.



Hier schauten wir uns den Via Dolorosa, den Leidensweg, den Jesus vor seiner Kreuzigung ging, an. Von den verschiedenen Stationen schauten wir uns ein paar an, für mich war das Ganze aber irgendwie nicht vorstellbar, dass Jesus genau den und den Stein berührt haben soll. Jedoch zahlreiche Pilger küssten oder verneigten sich vor den Steinen und Gegenständen die Jesus einst berührte. Einige trugen gar Kreuze bis zur Grabeskirche wo Jesus beerdigt wurde.


Mich interessierten jedoch mehr die Dinge rundherum, wie zum Beispiel die Mülltonne für die Entsorgung von Bomben oder Sprengsätzen direkt vor der Grabeskirche.

Außerdem steht seit knapp 200 Jahren eine Leiter an der Außenwand der Grabeskirche, da damals darum gestritten wurde, welcher Religion die Grabeskirche angehören sollte.




Nach der Grabeskirche sahen wir noch einen kleinen Teil des neuen Jerusalems, bevor es dann wieder zurück nach Palästina ging.

Auf dem Weg über die Grenze musste sich unser jüdischer Reiseleiter zwischen unseren Sitzen verstecken, da es ihm normalerweise nicht gestattet ist nach Palästina bzw. Bethlehem einzureisen. Zum Glück hatten wir einen ägyptischen Busfahrer, als Israeli hätte auch der uns nicht mehr weiterfahren dürfen. Diese unsinnigen Regeln waren aber die einzige Hürde auf dem Weg nach Palästina. Die Grenze überquerten wir ohne großartige Kontrolle und schon waren wir in Bethlehem, dem Geburtsort von Jesus.



Der erste Stopp war an einem Souvenirshop, welchen ich dazu nutzte, mir die Grenzmauer genauer anzuschauen. Diese war an manchen Stellen mit wunderbar sarkastischen Graffitis bemalt. Das beste fand ich den Weihnachtsbaum umringt von einer Grenzmauer, als eine Anspielung darauf, dass Israel unbedingt noch vor Weihnachten 2002 die Mauer fertig stellen wollte, um ein friedliches Fest feiern zu können. Die Fotos von Einwohnern Palästinas gefielen mir ebenfalls gut.



Aber es gab auch Graffitis, die einen nachdenklich machen, wie das von Leila Khaled, einer palästinensischen Revolutionärin, die an mehreren Attentaten beteiligt war.



Unweit der 2002 errichteten Mauer, lernte ich den Palästinenser Raffah kennen, der im selben Alter wie ich war und mit dem ich ein interessantes Gespräch führte. Vor dieser Reise hatte ich viel über den Konflikt zwischen Palästina und Israel gelesen. Auch die Situation vor Ort vermittelte mir ein etwas ähnliches Bild, welches vergleichbar mit dem ehemaligen Apartheidsystem in Südafrika ist. Dies wird auch immer wieder den Israelis von den Palästinensern vorgeworfen. Ein deutscher Politiker stellte dies vor kurzem nach einer Reise nach Hebron ebenfalls fest. Selbst der internationale Gerichtshof in Den Haag erklärte die Mauer in Israel als völkerrechtswidrig und illegal. Daher wundert es mich nicht, dass nicht nur die Palästinensische und Arabische Welt die Rolle Israels in diesem Konflikt sehr kritisch sieht. Die gefährlichste Ecke in Palästina ist jedoch immer noch der Gaza-Streifen an der Grenze zu Ägypten, welcher sich in beruhigender Entfernung zu Bethlehem befindet. Die Hochburg der Terrorgruppe Hamas ist die dort liegende Stadt Gaza-City. Palästina verfügt übrigens über keine eigene Armee. Zum Schutz der Bevölkerung gibt es die palästinensische Polizei und der Widerstand gegen Israel wird von der Terrorgruppe Hamas geführt. Sehr interessant fand ich auch, wie Israel Stück für Stück immer mehr Siedlungen in Palästina baut und sich immer mehr Land aneignet. Um die Palästinenser zu vertreiben, wird ihnen auf verschiedener Art und Weise versucht das Leben schwer zu machen. Zum einen sind Wohngegenden von Palästinensern deutlich schmutziger und heruntergekommener, da hier weniger Müll abtransportiert wird. Zum anderen besitzt jeder Israeli eine Wasserleitung.

Palästinenser hingegen haben lediglich einen Wasserbehälter auf dem Dach stehen, in welchen der ein oder andere Israeli gelegentlich ein Loch bohrt und ihn damit unbrauchbar macht. Dies sind jedoch nur zwei Beispiele von vielen.

Als nächstes schauten wir uns die Geburtskirche in Bethlehem an.



Der Geburtsort von Jesus war mit einem Stern markiert, wobei ich wiederum nicht ganz nachvollziehen kann, dass es wirklich genau dieser Ort gewesen sein soll, an dem er auf die Welt kam. Von einem Stall war hier auch nichts mehr zu sehen. Nach so viel Sightseeing ging es in ein Palästinensisches Restaurant, in welchem wir ein herrliches Essen bekamen.


Eine Kuriosität in Israel fand ich die Koscher Mc Donalds. In ihnen gibt es nur Koscheres Essen (z. B. das Fleisch von Wiederkeuern mit Hufen) was wiederum heißt, dass es hier keine Cheeseburger gibt.


Danach sollte es dann endlich zum Baden ins Tote Meer gehen. Nach dem Schwarzen & dem Roten Meer war ich nun also auch am Toten Meer. Das Baden in diesem war beeindruckender als ich zunächst gedacht hatte. Überall am Strand des Toten Meeres befinden sich Berge von Salzablagerungen. Um ins Meer hineinzugelangen muss man zuerst mal über sehr scharfe schneeballgroße Salzkugeln balancieren. Danach kann man sich ins Wasser fallen lassen, hat aber keine Chance unterzugehen.



Das Wasser hat einen Salzgehalt von 32% und damit zehnmal so viel wie in einem normalen Meer. Das Salzwasser wird auch von vielen in Wasserflaschen abgefüllt und getrunken. Ihm wird eine heilende Wirkung nachgesagt. Im Toten Meer gibt es nur wenige Lebewesen und zum Tauchen ist es absolut ungeeignet. Das Salz brennt sofort auf der Haut und in den Augen, aber man merkt auch schon nach wenigen Sekunden die positive Veränderung auf der Haut. Das Tote Meer ist jedoch eigentlich gar kein Meer, sondern ein Salzsee und gleichzeitig mit 422 Metern unter dem Meeresspiegel gelegen, der tiefste Punkt auf der Erde. Die Gegend rund um das Tote Meer wirkt total ausgestorben und ist sehr dünn besiedelt. Das genaue Gegenteil war rund um Jerusalem der Fall.


Nach dem Baden ging es wieder zügig in Richtung Roten Meeres. Wir hatten es eilig, da die jordanische Grenze pünktlich um 20 Uhr schließt. Direkt an der jordanischen Grenze ließen wir dann einige Mitfahrer hinaus, die am nächsten Tag zum Weltkulturerbe, der Felsenstadt Petra fuhren. Diese hatte ich vor der Reise zuerst auch noch in meiner Planung, jedoch war die Zeit einfach zu kurz und die restliche Zeit wollte ich noch zum Baden in Sharm el Sheikh nutzen. Die Ausreise aus Israel verlief einfacher als die Einreise, kostete jedoch rund 30€, was aber bei uns im günstigen Reisepreis von 125€ mit inbegriffen war. Von Taba bis Sharm el Sheikh gab es das übliche Polizeikonvoispielchen, was sich bis 2 Uhr nachts hinzog. Kaum hatte ich Donnerstagabend Israel verlassen, wurde am Freitag der Palästinenserführer al Kesi von der israelischen Luftwaffe getötet. Daraufhin flogen weit mehr als 100 Raketen von Palästina auf Israel und Israel antwortete daraufhin mit Militärschlägen im Gaza-Streifen und tötete dabei über 17 Menschen. Diese Kampfhandlungen waren die heftigsten und blutigsten Stunden seit der Großoffensive Israels im Jahre 2008. Ägypten vermittelte daraufhin zwischen beiden Ländern und ließ das Blutvergießen beenden. Dies machte mir nochmal deutlich bewusst, wie sehr diese Region doch jede Sekunde in einen Krieg stürzen kann.



Nach wenigen Stunden Schlaf lag ich schon wieder am Strand der Naama Bay. Dort lagen wir den ganzen Morgen in der Sonne und wurden dabei nur kurz von einem riesigen Jumbo aufgeschreckt, der direkt über unseren Köpfen zur Landung ansetzte und dabei von 4 Kampfjets begleitet wurde. Den Nachmittag verbrachten wir am Pool unseres Hotels und machten mit der dortigen Animation Sport. Meine Schwester hatte während meiner Reise nach Israel schon Einiges von Sharm el Sheikh gesehen und so wollte sie mir unbedingt den Soho-Square in der Nähe des Airports zeigen. Am Soho-Square fühlt man sich ein bisschen wie in Dubai. Alles ist total schick und neu. Es gibt eine Eislaufbahn, ein Bowlingcenter, einen Springbrunnen zu begleitender Musik, viele Bars, Cafes und Restaurants und natürlich einen Basar. Dies alles wurde auf wenigen hundert Metern erbaut und rundherum ist nichts als Wüste.



Eine Eis-Bar gibt es ebenfalls, in welcher man sogar mit Geschmack versetzten Sauerstoff zu sich nehmen kann. Ganz in der Nähe des Soho Squares liegt die Sharks Bay, welche im letzten Jahr ihrem Ruf alle Ehre machte. Es kam zu mehreren Hai-Attacken auf Touristen, wobei auch eine Frau aus Markdorf am Bodensee getötet wurde.







Danach schlenderten wir wieder durch die Naama Bay. Die Naama Bay sieht ganz und gar nicht nach Ägypten aus. Man fühlt sich eher wie in Lloret de Mar oder an der Playa de Ingles. Alles was für Unterhaltung sorgt, steht auf wenigen Kilometern an der Naama Bay entlang. Es gibt unzählige Shisha-Bars und Discos. Die bekannteste ist sicher das Pacha, in welchem wir auch waren.


Unweit von der Naama Bay steht noch das Space in Mitten der Wüste. Eine Disco unter freiem Himmel. Die Uferpromenade ist an der Naama Bay das Highlight. Es folgt ein Restaurant nach dem anderen und überall gibt es Live-Musik und alles ist traumhaft beleuchtet. Mit den vielen Palmen erinnert das Ganze eher an Asien als an Ägypten. Sharm el Sheikh ist von den Lebenshaltungskosten etwas teurer als Hurghada und ist auch von den Hotels und Resorts etwas exklusiver. Bei den Menschen hier hat man auch das Gefühl, dass sie etwas mehr Geld besitzen und besser gekleidet herumlaufen. Man sagt Sharm el Sheikh auch nach, dass es hier aufgeräumter, eleganter und moderner sei. Dies ist sicher auch ein Grund, warum sich Leute aus Hurghada und Sharm el Sheikh als Konkurrenten sehen und sich gegenseitig nicht besonders leiden können.

Am nächsten Morgen verbrachten wir einige Zeit am Hotelpool und nahmen danach den zweiten Hotel-Shuttlebus zum Hadaba Beach, einige Kilometer westlich von der Naama Bay. Der Weg dorthin führte über die Kilometer lange Peace Road. Sharm el Sheikh wird auch die Stadt des Friedens genannt, da hier in den letzten Jahren mehrere wichtige Friedens-Konferenzen abgehalten wurden, die zum Beispiel den Konflikt zwischen Israel und Palästina entschärften. Als wir am Hadaba-Beach ankamen, waren wir zuerst total beeindruckt von dem wunderschönen Strand, der direkt an einer steilen Klippe liegt.







Unweit vom Strand befinden sich zahlreiche Riffe, durch welche wir den ganzen Tag tauchten. Der Artenreichtum der Fische so nahe am Strand war besonders beeindruckend. Das Wasser war so klar, dass man sogar außerhalb des Wassers perfekte Bilder von den Fischen machen konnte. Am späten Nachmittag entspannten wir noch in der atemberaubenden Farsha-Bar, welche direkt an die Klippe gebaut wurde und einen beeindruckenden Blick über das Meer bot. Die Bilder sprechen für sich:







Für mich die schönste Cocktail-Bar, in der ich je war. Im Stadtteil Hadaba besuchten wir noch den “Il Mercato”, eine neu angelegte Shoppingmeile mit Colloseum und allem drum und dran. Der Ort hier ist einer der wenigen Orte in Ägypten, in denen man wirklich originale Klamotten kaufen kann.



Den Abend verbrachten wir wieder an der Naama Bay und in einer mittelmäßigen Hoteldisco. Die ägyptische Animateurin unseres Hotels wollte uns so spät am Abend noch eine schöne Cocktailbar zeigen. Zufälligerweise war diese genau dieselbe, in der wir schon am Mittag waren. Bei Nacht und mit den unzähligen Lichtern war diese aber nochmal etwas beeindruckender.



Die ägyptische Animateurin war übrigens die erste ägyptische Frau, die ich in den vergangenen 5 Monaten kennenlernte und den Beruf der Animateurin ausübte. Sonst arbeiten hier eigentlich nur Osteuropäerinnen und vereinzelt Tunesierinnen als Animateure. Am nächsten Morgen ging unser Flug wieder zurück nach Hurghada.

Das größte Erfolgserlebnis in meinem Leben in Hurghada ist für mich aber immer noch, wenn ich durch die Sheraton-Road laufe und nicht für einen Tourist gehalten werde, sondern als Resident erkannt werde. Zwar passiert es noch ab und zu, dass ich von Straßenhändlern angesprochen werde. Doch meist steht irgendwo einer seiner Kollegen daneben, welcher weiß, dass ich hier als Animateur arbeite und klärt ihn darüber mit Zurufen auf, sodass ich dazu gar nichts mehr sagen muss. Nach den Unruhen im November mit zahlreichen Toten, gab es Anfang Februar wieder eine heiße Phase in Ägypten.

Genau ein Jahr nach dem Beginn der Proteste am Tahrir-Platz gingen wieder zahlreiche Ägypter auf die Straßen und demonstrierten durch bis zum 11. Februar, dem Tag an dem Mubarak vor einem Jahr gestürzt wurde. Bei den Protesten kam es wieder zu zahlreichen Toten. Auch an anderen Stellen gab es wieder Probleme. In den Nachrichten wurde über zahlreiche Anschläge auf koptische Christen berichtet. Ganze Dörfer sollen niedergebrannt worden sein und Familien wurden verjagt. Der Höhepunkt aber waren die knapp 71 Toten und die ca. 1.000 Verletzten nach einem Fußballspiel in Port Said. Anhänger von Al Masry stürmten den Fanblock von Al Ahly aus Kairo und gingen mit Messern auf diese los. Zahlreiche Menschen wurden in der Panik zerquetscht oder kamen durch Messerstiche um. Die Anhänger von Al Masry galten schon vor der Revolution als Anhänger Mubaraks und die von Al Ahly waren die Anführer der Revolution. Dafür gab es jetzt die wie in den Nachrichten zuvor angekündigte Vergeltung. Das Militär steckte wahrscheinlich auch dahinter, schließlich standen sie im Stadion nur tatenlos daneben, als Menschen abgestochen wurden. Darauf folgten tagelange Ausschreitungen und Demonstrationen mit unzähligen Toten in und um Kairo. Alle Fußballspiele in Ägypten wurden über mehrere Wochen abgesagt und die Saison letztendlich vorzeitig abgebrochen.

Die Situation in Hurghada wurde auch immer gefährlicher. Es mehrten sich die Berichte über Überfälle auf Geschäfte und Passanten. In einer einzigen Nacht gab es drei schwere Raubüberfälle auf eine Bank, einen Supermarkt und auf eine Apotheke. Die Verfolgungsjagd der Polizei weckte mich mitten in der Nacht auf. Auch die Zahl der Einbrüche häuften sich. Direkt vor unserem Paradise Village wurde eine Frau überfallen, weswegen wir nach Einbruch der Dunkelheit nur noch in Begleitung eines Securitys zum nächsten Taxi laufen. Da derzeit wieder sehr wenige Touristen kommen, scheint einigen Ägyptern nichts mehr anderes übrig zu bleiben, als auf diesem Wege an Geld zu kommen. Ein zweites Erbeben der Stärke 4,6 überstanden wir auch noch. Bei den vielen negativen Nachrichten innerhalb weniger Wochen hatte ich manchmal das Gefühl, dass in Ägypten schlimme Unfälle, Entführungen und Demonstrationen an der Tagesordnung sind.

Ich weiß nicht, ob es nur an der lockeren Einstellung der Ägypter zum Leben liegt, dass so viel Unnötiges passiert. Ein weiteres Beispiel dafür ist der Unfall vor wenigen Wochen, als ein Glasbodenboot wenige Kilometer von hier, vor der Magawish Insel, bei starkem Wellengang gegen ein Riff donnerte. Dabei zerbrach der Glasboden. Drei deutsche Urlauber ertranken und zahlreiche wurden verletzt.

Der Anblick von Toten auf der Straße nach zahlreichen schweren Unfällen wie sie hier fast täglich vorkommen, ist mittlerweile auch schon fast Alltag für mich geworden. Wie spießig manche Araber aber manchmal auch sein können, kann man immer wieder in meinem Hotel feststellen. Vor kurzem wurde zum Beispiel unsere Cocktailkarte geändert. Siehe hier:

Sensationelles spielt sich zurzeit direkt an unserem Hotelsteg ab. Bisher hatte ich noch nicht das Glück in freier Wildbahn Delfine zusehen. Ich hatte schon Zweifel ob es im Roten Meer überhaupt Delfine gibt. Zwar werden massig Delfinausflüge angeboten, doch werden dabei eher selten welche gesichtet. Doch seit einigen Tagen kommen täglich 2-3 Delfine ganz nahe an unseren Strand geschwommen.

Die Delfine scheinen die Aufmerksamkeit zu genießen und machen meterhohe Sprünge, welche von täglich mehr Hotelgästen bejubelt werden. Mittlerweile ist kaum noch Platz auf dem Steg. Die Delfine sind so zutraulich, dass man sie sogar kurz berühren kann. Ich hatte jedes Mal Gänsehaut beim Anblick dieser Tiere.

Zum Schluss noch die ägyptische Variante eines Bananenbootes:
